Lampenfieber und Redeangst sind sehr individuell. Es gibt keine echte Skala, an der du messen kannst, wie schlimm es bei dir ist. Entscheidend sind jedoch Faktoren, die den Grad der Emotionen beeinflussen. Das Wissen darum erleichtert dir die Vorbereitung und Durchführung deiner zukünftigen Reden und Vorträge.

Im letzten Beitrag der Artikelserie „Überwinde deine Redeangst“ habe ich klar den Unterschied zwischen einfachem Lampenfieber und tatsächlicher Redeangst beschrieben. Heute geht es darum, welche Faktoren ausschlaggebend dafür sind, wie stark die Beeinträchtigung subjektiv für uns ist.

Das Ausmaß der Redeangst bzw. Des Lampenfiebers wird unter anderem durch folgende Punkte beeinflusst:

  1. Personenspezifische Faktoren
  2. Situative Faktoren

Personenspezifische Faktoren

Die Art, wie du deine Welt wahrnimmst, wird durch deine bisher gemachten Erfahrungen und Erlebnisse bestimmt. Einige davon waren positiv, andere weniger toll. Das Unbewusste nimmt sämtliche Eindrücke und Erinnerungen an Umwelt, Familie, Freunde und Bekannte auf und aufgrund der Geschehnisse werden diese interpretiert. Daraus wird sozusagen deine Landkarte der Welt produziert.

Vor allem Erfahrungen im kommunikativen Kontext sind prägend für deine zukünftige Einstellung und Wahrnehmung, wenn es darum geht, in der Öffentlichkeit zu sprechen. Und hier liegt leider auch genau das Problem von klassischen Rhetorikseminaren, wo oft nur Techniken gelehrt werden. Das ist alles schön und gut, scheitert es jedoch bereits an der Basis, dann werden diese nie oder nur kaum zur Anwendung kommen.

Doch selbst wenn du in der Vergangenheit schlimme Erfahrungen gemacht hast, die tief sitzen, dann heißt das nicht, dass es ewig so sein muss. Eine meist sehr prägende Erfahrungen ist, wenn man vor der ganzen Klasse wegen eines schlechten Referats ausgelacht wird und auch danach noch laufend dafür gehänselt wird. Vielleicht kennst du so was ja.

Wie soll sich da bitte eine positive Einstellung zum Sprechen entwickeln?

[hcshort id=“8″]

Diese Dinge passieren, denn vor allem beim Sprechen ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Doch wenn du dir bewusst wirst, dass diese vergangenen Erlebnisse möglicherweise der Grund für deine Redeangst sind, dann bist du in der Lage, deine Einstellung zu verändern. Dazu ist jeder Mensch in der Lage.

Die Entscheidung darüber liegt einzig und allein bei dir.

Möchtest du deine Grenzen erweitern, in der Lage sein vor Menschen zu sprechen um ihnen deine Idee, Vision oder Ansichten zu präsentieren? Oder ziehst du dich zurück und lässt anderen den Vortritt und verhinderst somit die Chance auf Wachstum?

Situative Faktoren

Unterschiedliche Faktoren vor, während und nach der Redesituation haben weiters einen starken Einfluss auf den Grad der Redeangst bzw. Des Lampenfiebers. Einige davon kannst du verändern, bei anderen hingegen bist du weniger in der Lage, etwas daran zu ändern.

Das Publikum

Die Menschen, vor denen du sprechen wirst, haben natürlich einen sehr großen Einfluss darauf, wie es dir dabei geht.

Verhalten des Publikums

Ein sehr großer Störfaktor ist oft die Interpretation (oder das tatsächliche) Verhalten der Zuhörer. Sichtbares Desinteresse, Langweile oder gar Störungen deiner Rede tragen zur Steigerung der Redeangst maßgeblich bei.

  • Aufmerksamkeit und Engagement
  • Haltung
  • (non-) verbale Äußerungen
  • Mitteilungsbereitschaft

Mein Tipp: Wenn du dich dabei ertappst, nonverbale Signale aus dem Publikum zu interpretieren: Lass es sein!

In einem Vortrag saß jemand, der alle Anzeichen von Desinteresse, ja sogar tiefer Skepsis zeigte. Gekrümmte Haltung, verschränkte Arme, Stirnrunzeln, etc. Das hat mich am Anfang wirklich ein wenig aus dem Konzept gebracht.

Nach dem Vortrag kam er zu mir und bedankte sich für die inspirierenden Worte und versicherte mir, dass er beim nächsten Mal auch dabei sein wird. Was er auch tat.

Anzahl der Zuhörer

Mit steigendem Grad an Zuhörern ist es meistens so, dass die Nervosität steigt. Es macht natürlich einen Unterschied, ob du vor 10 oder 10.000 Menschen sprichst.

Kompetenzunterschiede

Als Erstsemestriger einen Fachvortrag auf einem Kongress abzuhalten würde mich vermutlich auch fertig machen. Wenn du dir bewusst bist, dass in den Reihen sehr kompetente Menschen sitzen, die genauestens über dein Thema bescheid wissen, dann führt das berechtigterweise zu mehr Nervosität und Unruhe.

Die Angst ist dabei oft, dass dich diese “anrennen” lassen oder sie sofort bemerken, wenn du etwas falsches behauptet hast.
Dabei zugrunde liegt ebenfalls der Umstand, dass wir uns stets mit anderen Menschen vergleichen. Viel wichtiger ist jedoch, seinen eigenen Zugang und Stil für das Gesagte zu entwickeln. Auch wenn dein Vortrag noch so brillant recherchiert und ausgearbeitet ist, wenn du nicht in der Lage bist, deine Inhalte entsprechend rüber zu bringen, bringt dir das auch nicht viel.

Das Medium

Als kleines Kind habe ich einmal im Radio ein Gewinnspiel gewonnen, bei dem ich neben einem Besuch in einem Mineraliengeschäft (ich bin ein Sammler) anschließend interviewt wurde. Das Witzige daran: Das Interview erfolgte lediglich über ein Diktiergerät. In Summe waren 4 Personen im Raum, darunter meine Mutter.

Und dennoch:

Alleine das Wissen darum, dass jedes Wort, dass ich jetzt sage im Radio von gefühlten 5 Mio. Menschen (damals hatte ich nicht wirklich Hintergrundinformationen darüber) gehört werden würde, ließ mich komplett nervös und zittrig werden. Und nicht nur mich. Auch meine Mutter, die ebenfalls interviewt wurde, zeigte eine merkliche Nervosität 😉

Alleine die Tatsache, dass ich mich heute noch sehr gut daran erinnern kann, zeigt wie stark diese Erlebnisse prägen.
Das bedeutet also, dass auch das Medium, über das du deine Rede oder deinen Vortrag hältst, maßgeblich für den Grad deiner Angst ist.

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen = Rampenlicht

Dir ist bewusst, dass während deiner Rede die komplette Aufmerksamkeit der Zuhörer auf dich gerichtet ist (mehr oder weniger). Das erhöht natürlich die Anspannung, da jeder Schritt, jedes Wort und jede Geste genauestens beobachtet werden. Allein die Vorstellung von peinlichen Ausrutschern kann einem eine Riesenangst einjagen.

Die Rolle als Redner und das Timing

Wenn es für dich komplettes Neuland ist, eine Rede zu halten, dann kennst du dich selbst in dieser Rolle noch nicht. Unbekanntes macht einem von Natur aus Angst, da dies unkontrollierbare Situationen hervorrufen kann (und auch wird).

Ganz entscheidend ist auch das Timing selbst für die Rede. Und damit meine ich, ob du spontan dazu aufgerufen worden bist, eine Rede zu halten, oder ob du genügend Zeit hattest, dich vorzubereiten. Dazu gibt es aber in späteren Artikeln genauere Informationen mitsamt Anleitungen.

Literaturhinweise: