In letzter Zeit beschäftige ich mich viel mit inneren Blockaden und Glaubenssätzen und wie sehr sie mein Leben bestimmen. Ob mir das bewusst ist oder nicht. Leider weiß ich, dass es dir da draußen ähnlich geht.

Fakt ist, dass wir unser Leben aufgrund von Glaubenssätzen aufbauen, mögen die nun der „Wahrheit“ entsprechen, oder nicht. Das hat natürlich seinen Grund. Jedes Mal neu zu bestimmen, was man nun für richtig oder falsch befindet wäre mühsam und auch nicht sonderlich effektiv.

Doch Halt!

Heißt das, dass mein Leben ohnehin auf festgefahrenen Bahnen steht und ich nichts dagegen machen kann? Ja und Nein!

Kümmern wir uns zuerst um die Basics

Was sind Glaubenssätze?

Das Wort selbst verrät einem nur wenig und es bedarf auch nicht tiefster religiöser Verbundenheit um etwas zu glauben. Glaubenssätze beschreiben lediglich die Dinge, von denen wir glauben, dass sie wahr sind.

Beispiele:

  • Ich kann das nicht essen
  • Ich bin ein fürchterlicher Organisator
  • Ich schaffe es nicht einmal, dass mir jemand zuhört

Kennst du solche Beispiele? Ziemlich sicher!

Diese Sätze, oft achtlos und nebenbei ausgesprochen, sitzen zum Teil tief in unserem Bewusstsein drinnen. Wir glauben daran, dass es so ist. Das heißt aber nicht zwangsweise, dass es auch der Wahrheit entspricht.

Der Ursprung alter, festgefahrener Glaubenssätze liegt oft in unserer Kindheit. Das hat auch einen guten Grund. Damals waren wir angewiesen auf die Erfahrungen und Eindrücke unserer Umwelt. Unsere Eltern haben uns ein Bild von der Welt gegeben, das wir als die absolute Realität erfahren haben. Erst mit der Zeit haben wir erkannt, eigene Erfahrungen und Erlebnisse in Rückschlüsse und Lektionen umzuwandeln. Doch bereits eine Kleinigkeit in der Vergangenheit reicht aus, um unser Leben nachhaltig zu prägen.

Glaubenssätze sind mächtig und üben noch mehr Einfluss auf uns aus, wenn sie unserem Bewusstsein verborgen sind. Und das passiert leider häufiger als man denkt.

Im Prinzip sind Glaubenssätze Verallgemeinerungen, d.h. sie treffen auf sehr viele Dinge zu.

„Immer erwischt es mich!“ – Wirklich immer? In jeder Situation deines bisherigen Lebens?

Wohl eher nicht. Aber es ist möglich, dass man es als Wahrheit akzeptiert hat und sein Leben entsprechend gestaltet. Natürlich findet man immer wieder genügend Beispiele, wo es einen tatsächlich erwischt und tadaa: Man hat erneut eine weitere Bestätigung gefunden.

Sind Glaubenssätze schlecht?

Natürlich nicht, denn sonst hätten wir sie nicht. Tatsächlich geben sie uns ein Gefühl von Sicherheit und Führung, weil wir wissen, woran wir uns halten sollen. Manchmal aber kann es sein, dass sie uns einen Strich durch die Rechnung machen, da sie uns davon abhalten, gewisse Fortschritte zu machen.

Ein Beispiel aus der Praxis:

Ein junger Mann, der Zeit seines Lebens extreme Dinge im Sport ausgeübt hat: Fallschirmspringen, Freitauchen und allerlei andere gefährliche und extreme Aktivitäten. Kein Problem für ihn, denn er konnte stets damit umgehen in der Gewissheit, dass es keinen Unterschied machen würde. Wozu also Gedanken an später verschwenden, wenn das Leben jetzt stattfindet und er es bis ans Äußerste ausreizen kann?

Ob er jetzt ein paar Jahre früher über den Jordan geht, macht eigentlich keinen Unterschied. Und deswegen treibt es ihn von einer Sportart und extremen Situation zur nächsten. Ja er sucht geradezu die Herausforderung in der Konfrontation mit dem möglichen Unheil. Wenn man weiß, dass es ohnehin bald aus ist, dann hat man nicht wirklich Angst davor, nicht wahr? Zukunftspläne sind irrelevant, da sie nie eintreffen werden.

Aufbau einer eigenen Existenz und langfristiges Denken sind sekundär. Was die Nachwelt von einem will, hat sowieso keine Bedeutung. Doch mit fortschreitendem Alter bekommt er immer mehr Stress und Unbehagen, da es nicht mehr lange dauert, bis seine Zeit abgelaufen ist. Wieso er so unruhig ist, weiß er jedoch die ganze Zeit über nicht. Nur, dass ihn dieser ewige Drang plagt und es nie genug zu sein scheint.

Kern dieser Einstellung war letztlich der Glaubenssatz, dass er glaubt, dass mit einem gewissen Alter das Leben ohnehin vorbei ist.

Trotzdem hat dieser Glaubenssatz auch Gutes bewirkt, da dadurch viele Erfahrungen gemacht worden sind, die sonst nie geschehen wären.

Glaubenssätze sind also nicht schlecht, sondern erfüllen einen guten Zweck. Ob diese in deiner jetzigen Situation auch noch so brauchbar sind, das gilt es heraus zu finden.

Die selbst erfüllende Prophezeiung

Der Mann, der von Frauen glaubt, dass sie ohnehin nur sein Geld wollen, wird immer wieder an genau die gelangen, die genau das bestätigen. Wer über Ausländer denkt, dass sie nur Kriminelle sind, dem werden auch genau nur die Beispiele ins Auge fallen, die dies bestätigen.

Das ist kein Zufall, sondern lediglich ein Zeichen für bestimmte Glaubenssätze und daraus resultierende selektive Wahrnehmung.

Henry Ford hat einmal gesagt:

Ob du glaubst du schaffst es, oder ob du glaubst du schaffst es nicht, du hast immer recht

Und da liegt der Kern der Wahrheit. Erfolgreiche, passionierte Menschen haben auch Glaubenssätze. Doch sie glauben z.B. daran, dass sie alles schaffen und das Rückschläge nur die Ausnahme davon sind.

Ängste resultieren oft daraus, dass man bereits im Vorhinein weiss (oder glaubt zu wissen), was passieren wird.

„Ich weiß, dass er/sie mich dann auslachen wird!“, sind häufige Reaktionen, die aufgrund vergangener Erlebnisse als allgemein gültige Wahrheit interpretiert werden.

Glauben heißt nicht Wahrheit

Letztlich sind Glaubenssätze nur ein Glauben daran, wie es ist, aber niemals die Wahrheit selbst. Das impliziert, dass es mehrere Wahlmöglichkeiten gibt, welche auch dir zur Verfügung stehen. Wenn du erkennst, dass du dazu in der Lage bist.

Gibt es in deinem Leben Situationen, in denen du glaubst, dass du auch anders handeln könntest? Wenn ja, welche sind das? Welche Gedanken gehen dir dabei durch den Kopf? Wenn du Zeit und Muße hast, dann notiere sie dir.

Glaubenssätze zu ändern ist schwierig und mit viel harter Arbeit verbunden. Das alles in einem Artikel abzuhandeln wäre eine Farce. In weiteren Artikeln gehe ich weiter darauf ein, wie du konstruktiv damit umgehst, sie abänderst und das Beste aus ihnen heraus holst.

Es geht auch anders herum

Wir sind bereits Weltmeister darin, uns selbst immer wieder zu bestätigen, was wir nicht können, weshalb wir scheitern, wieso wir nie den richtigen Partner fürs Leben finden, usw. Für heute habe ich mir gedacht, ich beende diesen Artikel mit einer Dosis positiver Glaubenssätze verpackt in einem Video.

P.S.: Wer denkst du, ist die Person, die ich in dem Beispiel oben beschrieben habe?