“Sag mir wie ich tun soll um eine bessere Rede zu halten! Wie schaffe ich weniger Angst zu haben?” – Diesen Satz bekommt man oft zu hören, wenn man als Vortragender und Redner unterwegs ist.

Das liegt in der Natur des Menschen. Mit der richtigen Strategie und Technik kann es ja nur funktionieren. Im heutigen Artikel der Serie „Überwinde deine Redeangst“ erfährst du, wieso das nur zu einem kleinen Teil der Wahrheit entspricht.

Vergiss Techniken, wenn du sie nicht umsetzen kannst

Ein wirklich großer Fehler ist, sich ausschließlich mit den rhetorischen Mitteln zu befassen, ohne das Kernproblem der Redeangst oder des Lampenfiebers wirklich anzugehen. Du hast Angst davor, Ablehnung zu erhalten, oder dass etwas anderes Schlimmes passiert.

Das ist das Problem.

Die besseren Techniken reduzieren vielleicht ein wenig die Chance, dass etwas passiert, doch die Angst bleibt trotzdem. Bevor du dich also über zig stürzt, um deine rhetorischen Mittel zu verbessern, ist es notwendig, deine eigene Basis zu stärken.

Ich möchte dir ein Geheimnis offenbaren:

Sprechen kannst du!

Du machst es beinahe dein Leben lang. Vielleicht bist du (noch) kein großartiger Redner oder inspirierst Tausende von Menschen. Aber du kannst es werden.

Ich bin überzeugt, dass jeder von uns das Zeug dazu hat.

Was verursacht deine Ängste?

Das weiß ich nicht. Das weißt nur du.

Meistens hat es viel mit dem eigenen Selbstwert zu tun. Du willst keine Ablehnung von anderen erhalten. Wer will das schon?

Vielleicht hast du in deiner Kindheit eine, oder mehrere, schlimme Erfahrungen gemacht. Das ist jetzt abgespeichert und auch als Erwachsener willst du dieses Gefühl weiterhin vermeiden.

Das Unterbewusste und die Erinnerung deiner Version als Kind, nehmen diese Information und die Angst auf. Sie ist für dich real.

Das Unbewusste hat kein Konzept der Zeit und dadurch werden diese Ängste von früher extrem hochgefahren, wenn du dich wieder in einer ähnlichen Situation befindest.

Im Coaching und bei mir selbst habe ich oft diese Erfahrungen gemacht. Auch wenn deine Angst aus heutiger Sicht komplett unbegründet scheint, so war sie es damals nicht für dich als 5jähriger.

Das ist ein wesentlicher Punkt. Eine Angst, die dermaßen tief sitzt, kannst du nicht rational mit Worten “weg” erklären. Schlimmer noch ist es, wenn du von anderen die “Ratschläge” erhältst: “Stell dich nicht so an!” – Das weißt du selbst auch, wenngleich es dir überhaupt nicht hilft, sondern nur den Druck für dich selbst erhöht.

Irgendwann wirst du dich dem stellen müssen, wenn du deine Redeangst überwinden willst. Aber wenn es soweit ist, dann bist du bereit dafür.

Um zu erkennen, ob deine irrationalen Ängste heute auch noch begründet sind, musst du dich selbst schrittweise heranführen.

Du musst lernen, dass es dich nicht umbringen wird, wenn du eine absolut miserable Rede abhältst.

Worst Case und Realitätscheck

Ich lade dich ein, ein wenig zu träumen und zu philosophieren. Denk an deine nächste Rede oder eine ähnliche Situation und schreib folgendes nieder. Und zwar wirklich schreiben. Auf echtes Papier:

Was ist das absolut Schlimmste, das passieren kann?

Mal es dir in allen Farben und Formen aus. Was könnte passieren?

  • Du erzählst einen Schwachsinn und jemand aus dem Publikum buht dich aus.
  • Das Publikum wirft dir abwertende Blicke zu und jemand hat sogar faule Tomaten mitgenommen, damit man dich bewerfen kann.
  • Leute stehen auf und gehen fluchend aus dem Raum.
  • Du verlierst deine Hose während du oben stehst.
  • Dein Projektor geht in Flammen auf
  • Du gehst in Flammen auf

Was auch immer.

Und nachdem du dir alles aufgeschrieben hast, was passieren könnte oder viel wichtiger: Was du denkst, dass passieren könnte, dann stell dir folgende Frage:

  • Wie realistisch ist das wirklich?
  • Wann ist dir so etwas das Letzte Mal passiert?
  • Was wären wirklich die Konsequenzen davon?
  • Hätte es nachwirkende gesundheitliche Folgen für dich?
  • Würde nie wieder ein Mensch noch mit dir reden, nachdem du “gescheitert” bist?

Und vor allem konfrontier dich mit folgender Aussage:

Würde es dich umbringen?

Nein. Sicher nicht!

Doch in unserer eigenen Wahrnehmung und Vorstellung denken wir uns immer nur die schlimmsten Szenarien. Wir vergessen dabei oft auf die tatsächlichen Konsequenzen und was es für uns bedeuten würde.

Wenn du dir das selbst einmal vor Augen führst, also gedanklich in die Angst reingehst, dann wirst du vielleicht merken, dass viele deiner Ängste unbegründet sind. Und das nimmt ihnen den Schrecken.

Und selbst wenn du die schlimmste Rede deines Lebens hältst, was würde das für alle zukünftigen Reden bedeuten? Ganz einfach. Das dich eigentlich nichts mehr so richtig schocken kann, richtig?

Leute wollen, dass du erfolgreich bist

Denk es dir mal so: Die Menschen im Publikum wollen, dass du eine gute Rede hinlegst. Keiner setzt sich freiwillig hin und möchte eine grauenhafte Zeit verbringen.

Niemand möchte wirklich, dass du scheiterst. Wie du ja bereits weißt, hat jeder zweite selbst Angst davor, vor Menschen zu sprechen. D.h. alleine deswegen bekommst du schon Empathiepunkte.

Du siehst die Situation natürlich etwas anders und genau darin liegt der Knackpunkt. Die Vorstellung an die schlimmen Situationen rufen bei dir die Angst hervor, obwohl es nicht passiert ist.

Es gibt eine gute Nachricht:

Du selbst hast die totale Kontrolle über deine Gedanken!

Bevor du loslegen kannst, eine großartige Rede zu halten, musst du andere Strategien und Denkweisen lernen, wie du mit der Situation umgehst.

Zusammenfassung der letzten Artikel 

In den letzten Artikeln ging es darum, einmal die Hintergründe der Redeangst etwas zu beleuchten. Du weißt jetzt, dass Redeangst und Lampenfieber sehr viele Menschen betrifft. Beinahe jeden Zweiten. Und du hast erfahren, weshalb viele Ängste „hausgemacht“ im eigenen Kopf stattfinden und wenig mit der Realität zu tun haben.

Doch am allerwichtigsten:

Du weißt, dass du selbst die Kontrolle über deine Gedanken hast und du damit in der Lage bist, an deiner Einstellung zum etwas zu ändern.

Mach die beschriebene Übung und schreib dir im Detail auf, wovor du wirklich Angst hast. Werde dir im Klaren darüber, welche Punkte dir am meisten Unbehagen bereiten und denk ebenfalls über die Konsequenzen nach.

Welche Ergebnisse, Erkenntnisse oder Zusammenhänge hast du herausgefunden? Schreib es mir gerne in den Kommentaren!