Klassifizierbar und einfach diagnostiziert ist sie nicht, die Redeangst. Eine Auflistung so wie diese hier, hilft einem aber, sich einen Eindruck davon zu machen, ob es wirklich so schlimm mit einem bestellt ist. Mit einem klaren Fokus, worauf du dich konzentrieren musst, fällt es dir auch leichter, deine Angst schrittweise zu überwinden.

Die Angst drückt sich in Gefühlen und Gedanken in unserem Körper aus. Das wiederum beeinflusst unser Handeln und Verhalten.

Gefühle

Du spürst starke Angst bis hin zur Panik

Redeangst hat einige körperliche Charakteristika wie bei Panikattacken. Man ist unfähig zu handeln, nichts funktioniert mehr. Die Kontrolle über die eigenen Emotionen ist weg.

Du hast Angst vor der Angst und den auftretenden Effekten

Als ob das nicht genug wäre, kommt es auch manchmal vor, dass man sich vor der aufkommenden Angst selbst fürchtet, wodurch lediglich die Angst einen neuen Aufschwung bekommt.

Du fühlst dich gereizt, unsicher und „wie auf Nadeln“

Jede Kleinigkeit ist dir zu viel. Jede Störung deiner Konzentration (oft nämlich, die Angst nicht Überhand bekommen zu lassen) bringt dich auseinander und du handelst entweder fluchtartig oder angriffslustig. Zum Teil beobachtest du an dir selbst seltsame Reaktionen, wie panikartiges Lachen und gleichzeitiges Flüchten aus der Situation.

Du bist wütend auf dich und deine Angst

Du weißt Großteils, dass deine Angst rational unbegründet ist und dennoch gelingt es dir nicht, sie abzulegen. Das macht dich wütend auf dich selbst.

Du fühlst dich minderwertig, deprimiert und als Versager, weil du dich wegen deiner Redeangst fertig machst.

Versagen und Gedanken an das Scheitern wegen deiner Redeangst führen dazu, dass du dich immer weiter fertig machst. Unaufhörlich wie in einem Strudel. Du fühlst dich schlecht, weil du nicht in der Lage bist zu sprechen, dadurch dass du solche Angst hast, fühlst du dich schlecht, usw.

Symptome der Redeangst Bloggraphik

Gedanken

Dir fehlt der Fokus, deine Gedanken tanzen Samba oder du stehst vor einem großen schwarzen Loch

Plötzlich ist alles weg. Du weißt zwar, dass es da ist, nur ist es momentan nicht auffindbar. Deine Sätze, Strukturen und Formulierungen zerbröckeln. Du kannst keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Deine Konzentrationsfähigkeit ist am Nullpunkt

Einfachste Dinge sind nicht mehr möglich, du handelst unkontrolliert und verlierst die Aufmerksamkeit.

Innere Monologe:

Deine innere Stimme gibt dir eine Salve aus einem oder mehreren der folgenden Statements. Und das permanent.

  • Ich hoffe ich sage nichts Peinliches!
  • Was, wenn ich vergesse was ich sagen muss?
  • Niemand soll mitkriegen, dass ich komplett nervös bin und Angst habe
  • Was ist, wenn ich so nervös bin, dass ich zittere?
  • Oh mein Gott! Was, wenn die alle meinen Vortrag scheiße finden?

Gleichzeitig rasen dir Bilder im Schädel herum in denen du genau siehst, was passieren wird. Das passiert oft unbewusst und in einer Geschwindigkeit, dass du dir oft gar nicht im Klaren darüber bist, wie oft das eigentlich passiert. Zum Thema mentale Abläufe und wie du sie selbst steuerst komme ich später noch.

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Körperreaktionen

Ein wesentliches Indiz für wirklich tiefsitzende Angst sind körperliche (psychosomatische) Reaktionen. Die gibt es in allerlei Farben und Formen. Deine Gedanken drehen sich ständig um etwas Negatives, du bist angsterfüllt. Natürlich schaltet sich dann der Körper auch irgendwann ein und das merkst du zum Beispiel an:

  • Der Klassiker: feuchte Hände, schlotterende Knie, blasse Gesichtsfarbe und Herzrasen
  • Schlafstörungen Tage oder sogar Wochen vor dem Vortrag
  • Versagen der Stimme oder Verlust der Stimmkontrolle (Tonlagen nicht treffen)
  • Appetitlosigkeit oder vermehrter Konsum sowohl von Essen als auch Alkohol um die Angst zu dämpfen bzw. zu ertränken.
  • Die Luft bleibt weg. Die Unfähigkeit auch nur einen Ton rauszubekommen
  • Vor und während des Vortrages leiden wir unter starker Anspannung und innerer Unruhe.
  • Unsere Stimme zittert.
  • Überdurchschnittlicher Harndrang, eventuell sogar Durchfall bis hin zu Kopfschmerzen, Magenbeschwerden und Schwindelgefühle
  • Trockener Rachen, Schluckbeschwerden. Der sprichwörtliche „Frosch im Hals“
  • Extremes Schwitzen

Verhalten

Natürlich sieht man es am Verhalten selbst am besten. An sich selbst und an Rednern, die man bereits gesehen hat, sind immer wieder folgende Symptome der Redeangst festzustellen.

  • Starre, ungelenkige Bewegungen, die unnatürlich wirken
  • Ablenkung und Nervositätskontrolle durch starkes Gestikulieren, wippen oder Finger trommeln
  • Besänftigung der Psyche durch Berührungsmittel oder gar Alkohol
  • Schnelles, hastiges Sprechen um die Zeit möglichst schnell hinter sich zu bringen.
  • Überzogenes, künstliches witzig sein um Nervosität und Unsicherheit zu überspielen
  • Bail Out: Absage der Rede um der Situation trotz möglicher Nachteile zu entgehen

Wenn man es sich so ansieht, ist das schon eine ganze Menge. Natürlich musst du nicht gleich alle davon gleichzeitig haben. Doch oft laufen einige davon simultan.

Es liegt an dir, deine Hauptsymptome zu erkennen. Notiere sie und werde dir bewusst, was sie für dich bedeuten. Im weiteren Verlauf dieser Artikelserie werde ich Hilfsmittel und Herangehensweisen vorstellen, wie du damit umzugehen lernst.