“Sei nicht so laut! Sei nicht immer so direkt!” – Sätze wie diese haben wir vor allem in unserer Kindheit häufig von unseren Eltern oder Lehrern gehört. Und im weiteren Erwachsenenleben bekommen sie meistens einfach nur eine andere Verpackung. Anstelle der Eltern ist es dann das private oder berufliche Umfeld. Die Gemeinsamkeit liegt darin uns mitzuteilen, wie wir nicht sein sollen. Aber wie bist du du, wenn du nicht du bist?!


Die meisten Menschen versuchen, die schönen Seiten in sich heraus zu kehren. Sich von ihrer Schokoladenseite zu präsentieren.

“Stärke die Stärken!” ist die Devise.

Dabei wird vehement alles ausgemerzt, was nicht sein soll und darf. Ohne es wirklich zu merken, setzen wir uns Masken auf, bauen Fassaden und leben nach Ansprüchen, die wir uns selber nicht auferlegt haben.

Vor allem aber berauben wir uns einer Menge an Kraft und Möglichkeiten, eben weil wir die Eigenschaften an uns unterdrücken, die wir nicht sein sollen.

Bestimmt hast du dir schon öfter überlegt, welche negativen Eigenschaften du an dir loswerden möchtest? Wie oft hast du dich schon über einen Mitmenschen aufgeregt, der so (Eigenschaftswort deiner Wahl) ist, dass es dich aufregt?

Wie sehr stoßen dir träge Beamte, volksfremde Politiker und realitätsferne Weltverbesserer auf?

Alle diese Dinge haben mit dir selbst zu tun.

Mit dem Ausmaß, wie du dich selbst siehst und kennst.

Je mehr ich mich mit dem Thema Sichtbarkeit auseinandersetze, desto häufiger stoße ich auf Gemeinsamkeiten und Muster. Um Liebe zu erkennen muss man auch Hass spüren können. Wo Arroganz ist, da kann auch Demut sein.

Wo Licht ist, da fällt auch Schatten!

Schließe einen Moment deine Augen und überlege dir, welche Sache es auf der Welt gibt, zu dem es keinen Gegenpol gibt.

Lange wird es nicht dauern, bis du dir du erkennst, dass es nichts gibt, dass kein Gegenstück hat.

Die Welt setzt sich aus Polaritäten zusammen. Wir setzen uns aus Polaritäten zusammen.

Es reicht aber nicht, sich einfach nur auf die lichten Seiten seiner Persönlichkeit zu konzentrieren. Um sich wirklich selber zu sehen und zu kennen, ist es notwendig die eigenen Schatten kennen zu lernen.

Der eigenen Fratze ins Gesicht zu blicken und anzuerkennen.

Loslassen von dem Gedanken, man muss nicht so sein, wie man ist um angenommen zu werden.

Das Zusammenspiel von Licht und Schatten.

Um wirklich sichtbar zu werden reicht es nicht, lange genug ins Licht zu laufen und nur das zu sein, was man sein soll. Sondern auch die Seiten an sich anzunehmen, die man nicht sein soll.

Denn du bist immer beides.

Kein entweder/oder sondern alles.

Es ist nicht einmal eine Entscheidung, die du für dich selbst triffst. Es ist eine Tatsache.

Wie sehr du es zulässt, die Seiten von dir ans Licht zu bringen, vor denen du dich selber versteckst, das ist die lebenslange Herausforderung.

Der Preis das nicht zu tun ist ultimativ hoch:

  • Du wirst dein Leben lang damit beschäftigt sein, Teile von dir zu unterdrücken (das kostet Kraft)
  • Du bist niemals in der Lage das volle Momentum deiner Persönlichkeit zu erfahren, wenn du einseitig arbeitest.
  • Du bist fremdbestimmt (ohne es vielleicht zu merken), weil du ständig anhand äußerer Kriterien deine Masken und Fassaden anpassen musst.

In den letzten beiden Jahren habe ich verbissen daran gearbeitet Projekt Phoenix ortsunabhängig aufzubauen.

Ich habe meinen Fokus darauf gelenkt mein Mentoring und meine Business Trainings digital abzuhalten, uvm.

Dabei habe ich einen sehr wichtigen Aspekt im Dunklen gelassen. Obwohl ich viel mit Menschen arbeite war ich trotzdem die meiste Zeit allein. Nicht nur dass, ich habe viele Aspekte von mir hinter einem Bildschirm versteckt, durch den du mich sehen kannst.
Den “Grund” den ich mir dafür gegeben habe war, dass ich ja sowieso lieber nicht mit meiner Umgebung verwurzelt sein möchte. Dass ich nicht gebunden sein will.

Dieser Trugschluss hat dazu geführt, dass ich online viele Seiten meiner Persönlichkeit ausleben kann, aber offline halte ich sehr zurück. So sehr, dass ich die Dinge nicht in dem Ausmaß ausleben kann, wie ich es eigentlich könnte.

Den Aspekt, den ich unterdrückt habe war, mich in allen Bereichen zu zeigen und nicht nur hinter dem Bildschirm in Videos, Artikeln, etc.

Es ist ein Ungleichgewicht, dass mir vor allem in den letzten Wochen stark bewusst geworden ist. Eine Disharmonie, die schon lange an meinen Kräften zehrt und mir jetzt stark aufzeigt, was als nächstes zu tun ist: vor mir selbst sichtbar zu sein – Mit allem was ich bin und vor allem, was ich nicht bin.

Welche Schattenseiten hast du, die du schon seit längerem (vielleicht schon dein ganzes Leben) unterdrückst und denen du ins Auge blicken willst?