Unter Opportunitätskosten versteht man im Fachjargon entgangene Erlöse, die dadurch entstehen dass vorhandene Möglichkeiten (Opportunitäten) zur Nutzung von Ressourcen nicht wahrgenommen werden. Eigentlich ein Begriff aus der Finanzbranche und doch erleiden die meisten Menschen in ihrem Leben auf diese Weise erheblich Verluste. Nicht nur finanziell.

In meinem gestrigen Newsletter und anderen Artikeln habe ich das bereits das Thema angeschnitten, doch heute gehe ich tiefer darauf ein. Um dir zu zeigen:

  • dass du nicht allmächtig bist und nie alles wissen kannst
  • wie sehr du jetzt schon draufzahlst ohne es zu wissen
  • dass die vermeintliche Sicherheit ein klar bestimmbares Ablaufdatum hat

Die meisten Menschen beklagen sich den ganzen Tag darüber, dass sie nie Glück haben oder dass die “richtige Gelegenheit” noch nicht da war. Manche Menschen musst du sprichwörtlich in den Arsch treten, damit sie endlich die Gelegenheiten sehen, die ständig vor ihrer Nase tanzen und schreien “ergreif mich!”.

Du kannst den Hund nicht zur Jagd tragen, genauso wenig wie du ein totes Reh dorthin mitnimmst.

Und doch vergehen Tage, Monate und Jahre wo nichts passiert. Wo der Mensch nicht aus seinen Fehlern lernt. Bis er sich irgendwann beklagt darüber, dass in seinem Leben eigentlich nichts so passiert ist, wie er es wollte. Schöne Scheiße.

Ich erzähle da nichts Neues. Es wussten schon Menschen tausende vor Jahren vor mir und trotzdem hilft es wenig. Die Mehrheit der Leute wird immer den gleichen Fehler machen. Generation über Generation. Mir selbst ist es auch lange genug gegangen.

Der Grund dafür liegt häufig darin, dass man sich auf die Dinge konzentriert,

  • die man nicht will
  • was nicht so ist, wie es sein sollte und
  • warum es nicht geht

Fühlst du dich ertappt? Ich auf jeden Fall. Dem zugrunde liegt eine ungeheure Angst es einfach zu probieren. Denn viel sicherer lebt es sich im gewohnten Umfeld. Mit sicherem Job und geregeltem Einkommen. Alles eine riesengroße Lüge, die du dir jeden Tag selbst erzählst, damit du dich nicht schlecht fühlst. Aber hey, andere erzählen es dir auch also kann es gar nicht so falsch sein, oder?

Wenn die Mehrheit der Menschen etwas Dummes tun oder sagen, macht es das nicht zur Weisheit

 

Du wirst nie wissen ob es funktioniert, wenn du es nicht probierst

Es ist im Grunde eine extrem einfache Angelegenheit. Tu es einfach. Mach es einfach. Zieh es durch. Fang an!

Es ist so simpel, dass die meisten Menschen es nicht glauben können. Sie suchen nach der hochkomplexen “68 Schritte Masterframework Lösung, patentiert vom indischen Guru, der nur 1 Schüler pro Jahrzehnt aufnimmt” System. Brauchst du alles nicht. Die Wahrheit liegt im Anfangen. Im Tun.

Und jetzt höre ich schon, wie sich deine inneren Stimmen zu Wort melden:

  • “Aber was ist wenn …”
  • “Ich kann doch nicht, weil …”
  • “Bei mir ist das was anderes, da …”

All diese Überlegungen sind nicht nur komplett sinnlos, sondern basieren auf einer Annahme, die definitiv nicht stimmt: Das du allwissend bist!

Die Überheblichkeit des Menschen führt zu Paralysation

Gedanklich planen viele nach vorne und überlegen sich, wie das denn dann ablaufen könnte, wenn sie sich zum Beispiel aufmachen und Künstler oder was weiß ich werden wollen. Sie planen etwas, dass sie gar nicht planen können und glaubensie hätten alle Antworten bereits jetzt parat.

Doch das haben sie nicht.

Und das werden sie nie.

Denn das Leben hat immer Überraschungen auf Lager und wird dich mit Situationen einholen, mit denen du nicht gerechnet hast. Es werden sich Dinge ergeben, die du nicht planen kannst. Aber nur, wenn du tatsächlich auch etwas machst.

Wie sehr du jetzt schon draufzahlst ohne es zu wissen

Ich bin jetzt seit ein paar Tagen in München. Ich werde für 2 Monate hier leben und weißt du, wie das Ganze entstanden ist? Durch ein Gespräch mit Anne Heintze während unseres wöchentlichen Videotalks.

Am selben Tag hatte ich die Möglichkeit, spontan für 2 Monate nach München zu gehen und ich hab sie einfach ergriffen. Ich habe überhaupt keinen Plan, was mich hier erwartet, ob es gut laufen wird oder sonstwas. Aber was kümmert mich das? Es wird sich etwas ergeben und ich werde mit der Situation umgehen. Ganz einfach.

Aber ich würde es nie erfahren, wenn ich es nicht getan hätte. Einmalige Gelegenheiten wären bei mir vorübergezogen ohne, dass ich je davon erfahren hätte. Und weißt du was? Hast du eine Ahnung wie ich damals eigentlich angefangen habe mit Anne auf diese Art und Weise zu arbeiten?

Ich habe sie gefragt, ob sie ein Podcast Interview machen möchte. Dann haben wir über eine Kooperation gesprochen. Jetzt arbeiten wir schon seit Monaten so zusammen und jetzt bin ich in München.

Bin ich hergegangen und habe gesagt: “Ja ich kontaktiere jetzt die Anne und in 7 Monaten gehe ich dann spontan nach München?”

Du kennst die Antwort.

Welche Gelegenheiten hast du in deinem Leben bereits sausen lassen, weil du nicht gehandelt hast? Welche Chancen und Begegnungen wären daraus womöglich entstanden? Was für ein Leben könntest du jetzt haben, wenn du vor Jahren schon endlich das angefangen hättest, wovon du heute immer noch sprichst?

Die Dringlichkeit und Wichtigkeit dieser ganz einfachen Sache hier in geschriebenen Worten auszudrücken, fällt mir sehr schwer. Am liebsten würde ich es rausschreien (kommt sicherlich noch), so essentiell ist es.

Unsagbar viel Potential bleibt auf der Strasse liegen, weil Menschen nie anfangen, sondern immer nur darüber reden!

Es passiert nichts. Tausend Weltverbesserer sind da draußen aber kaum wer rührt den Finger.

  • “Ich bin zu klein!”
  • “Mir hört keiner zu!”
  • “Mir hat damals auch keiner geholfen!”

Tausend fadenscheinige, nichtssagende, gehaltlose Ausreden durchziehen die Gespräche der Gesellschaft. Dumme Sprüche wie “Schuster bleib bei deinen Leisten” oder “Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach” führen dazu, dass Menschen sich ihr Leben lang fragen werden “Was wäre wenn?”

Aber am allerschlimmsten ist, dass dadurch so viele Chancen ungenutzt verstreichen, wie Menschen einen Mehrwert liefern können, die die ganze Welt verbessern würde.

Menschen wie dich, die da rausgehen und Lösungen liefern, die vorher als unmöglich galten. Was wäre gewesen, wenn Gandhi gesagt hätte “Ich bin zu klein und Geld habe ich außerdem auch keines?” Oder Galileo?

Galileo Galilei ProkrastinationHätte der nicht den Finger gerührt und wäre gegen eine große Instanz wie die Kirche mit seiner Entdeckung angetreten, dann hätten wir heute vielleicht noch Angst, dass wir von der Erdscheibe runterfliegen.

Ich konfrontiere Menschen gerne mit derartigen Aussagen, wenn sie mir erzählen wollen, wie schlimm alles ist und auf meine Gegenfrage: “Was wirst du also machen?” mit “Nichts, dass ist zu unsicher/gefährlich/blablabla” antworten.

Die vermeintliche Sicherheit, die viele Menschen davon abhält endlich einen Schritt zu machen. Häufig ist es der Job. Der böse, böse Job der gleichzeitig ja “so viel” Sicherheit bietet.

Die vermeintliche Sicherheit hat ein klar bestimmbares Ablaufdatum

Mal angenommen du bist auf einer einsamen Insel gestrandet und zum Glück hast du ein Wasserloch entdeckt, durch das du Überleben kannst. Du bist also sicher. Ja dein Wasserloch wo du jeden Tag hingehst und dich die ganze Zeit dort aufhältst. Immer mal wieder trinkst und alles ist gut.

Ob es auf der Insel eine weitere Wasserquelle gibt, weißt du nicht. Du hast nie nachgesehen, denn du hast ja die eine. Aber du bist ja klug: Du füllst Wasser in Flaschen ab, denn dann hast du ja etwas auf Reserve.

Doch eines Tages passiert etwas unerwartetes: Die Wasserquelle ist ausgetrocknet. Leer. Nichts mehr drin. Panik setzt ein aber du hast ja vorgesorgt. Du hast noch einige Flaschen übrig. In deinem Übermut hast du aber gar nicht so viel davon, als du ursprünglich dachtest. Du hast dich nämlich an die Fülle der ursprünglichen Wasserquelle gewöhnt und säufst dein kostbares Gut, wie eine Hirschkuh.

Plötzlich realisierst du, dass du ziemlich in der Klemme bist. Du machst dich also auf, um eine neue Quelle zu suchen. Blöd nur, dass du dich auf der Insel gar nicht auskennst, weil du immer nur bei der ersten Wasserquelle abgehangen bist. Du irrst herum, findest gar nichts und deine Vorräte gehen zur Neige.

Deine Kraft ist am Ende, du hast Angst und bist verzweifelt. Irgendwann so verzweifelt, dass du das Wasser aus der dreckigsten, abgestandenen Suppe säufst, die du nur findest. Alles ist gerade recht. Es geht ums Überleben und du bist mitten drin. Blöd nur, dass du dich durch das Wasser mit Viren verseucht hast, Durchfall bekommst und langsam und qualvoll verdurstest.

vermeintliche Sicherheit Job

Schöne Geschichte, nicht wahr?

Willst du die wahre Sicherheit deines Jobs wissen: bis zur Kündigungsfrist

So einfach ist das. Dein Arbeitgeber ist vermutlich deine einzige Wasserquelle an der du dich dein Leben lang labst. Die einen laben sich länger daran, die anderen nicht so lang. Kommt drauf an.

Das ist keine Sicherheit, sondern Abhängigkeit.

Vielleicht musst du erst 55, gekündigt und durch 2 jüngere Angestellte ersetzt werden. Vielleicht erkennst du es auch früher. Aber wenn du die Geschichte von oben gelesen hast, dann wirst du mir wahrscheinlich zustimmen, dass es durchaus Sinn macht, mehrere Wasserquellen zu haben, nicht wahr?

Niemand spricht davon, dass du deinen Job von einem Tag auf den anderen hinhauen sollst. Überhaupt nicht. Es geht darum, dass du kluge Schritte dahingehend unternimmst, neue Wasserquellen zu finden während du genug Zeit hast.

Idealerweise welche, die nicht versiegen und in denen es sogar noch sehr viel Spaß macht zu schwimmen.

Gelegenheiten gibt es genug. Jeden Tag. Die Frage ist, ob du sie verstreichen lässt und drauf wartest, dass dir jemand Wasserquellen zuträgt oder die Sache selbst in die Hand nimmst.

Die Opportunitätskosten liegen in der Zeit, die du darauf verschwendest, dich auf all die Dinge zu konzentrieren, die du nicht willst. Oder die Dinge tust, die nichts bringen, sondern dich nur beschäftigt halten.

Die Frage ist: Bist du bereit den Preis dieser Opportunitätskosten zu zahlen?

Ich will deine Meinung dazu in den Kommentaren hören!