Ich schritt immer weiter voran in meinem Bestreben mich durch das Dickicht des Dschungels zu kämpfen. Jeder Schritt war eine Herausforderung.

Anders als in den Wäldern in Österreich, hat der malaiische Regenwald weitaus mehr dichtes Gehölz, riesige Bäume, die sich vor einem auftürmen und quer vor einem liegen und vor allem gibt es so etwas wie Wege, nur bedingt. 

Einen Kilometer in diesem Terrain  zu bewältigen kostet einen mindestens eine halbe Stunde. Zu oft muss man über schwer passierbare Stellen einen Umweg machen oder gar darüber hinweg klettern. Blutegel wittern die Chance aufgrund der Vibrationen am Boden und heften sich sprichwörtlich an meine Fersen.

Nur wenige Minuten später haben sie sich ihren Weg durch meine Schuhe und Socken gebohrt und hinterlassen eine langgezogene Blutspur, ehe ich sie mit einem Ruck von meiner Haut entfernen kann.

Der Weg ist das Ziel heißt es so oft und ich überlege, ob das wirklich die vollständige Sicht auf die Dinge sein kann. In meiner Euphorie und in meinem Abenteuergeist (man kann es auch einfach Dummheit nennen) bestand mein einziger Ausrüstungsgegenstand zur Navigation aus einer Karte, die irgendjemand einmal vor Jahren mit Hand gezeichnet hatte.

Kongruent Entscheidungen treffen

Die Karte im Regenwald

Darauf vermerkt war ein ungefährer Verlauf des Weges, ein paar größere Flüsse und schemenhafte Symbole um wichtige Orte zu kennzeichnen. Kein Maßstab, keine Details, keine Distanzen. Nichts.

Nur ein Vollidiot würde so auf eine zweitägige Expedition in den Dschungel aufbrechen. Darf ich vorstellen, Sebastian Thalhammer mein Name.

Doch eigentlich war es gar nicht so schlimm. Mit den auftretenden Widrigkeiten konnte ich umgehen.

Selbst den Umstand, dass ich für einen 20km Marsch lediglich 3l Wasser mitgenommen habe, in einem Land, in dem die Luftfeuchtigkeit 100% beträgt und man somit permanent schwitzt, konnte ich elegant lösen. Und zwar so, dass ich einen Kompromiss zwischen Montesumas Rache und Dehydration einging.

Ich trank aus einem Bachlauf. Eine hervorragende Idee, wenn man seinen Körper mit Parasiten und Würmern ausstatten möchte. Aber es hat funktioniert und ich konnte meinen Durst ohne spätere Nebenwirkungen löschen.

Nachdem meine Freundin und ich bereits Stunden im Dschungel verbracht hatten, konnten wir nicht mehr sagen, wie weit wir gekommen waren und vor allem: Wo wir eigentlich sind. Die Karte gab uns keinerlei Auskunft über die tatsächliche Distanz, noch konnten wir aus der Umgebung relevante Rückschlüsse ziehen. Es war bereits ziemlich spät geworden und wir hatten angenommen, zu dieser Zeit bereits am Unterschlupf angekommen zu sein.

Langsam aber sicher wurde es interessant, denn eine Nacht im Regenwald zu verbringen ist eine Unternehmung mit ungewissem Ausgang. Wir hatten einen fatalen Fehler gemacht. Das Ziel war uns klar. Doch den Punkt Navigation hatten wir fahrlässig vernachlässigt.

Der innere Kompass hilft uns dabei, sich auf den richtigen Weg zu machen

Im normalen Leben bewegen wir uns oft ähnlich zu unseren vermeintlichen Zielen. Wir gehen davon aus, dass sich die Dinge schon irgendwie regeln werden. Und das passiert auch oft, weil der Mensch in der Lage ist, sich an die Umstände anzupassen.

Das Problem dabei ist, dass wir oft Ziele verfolgen, die nicht einmal unserer eigenen sind. Von denen wir nur annehmen, dass sie erstrebenswert sind.

Manche klettern die Karriereleiter rauf, nur um dann herauszufinden, dass sie an der falschen Wand angelehnt ist, oder an überhaupt keiner. In der Zwischenzeit wurden viele wichtige Entscheidungen getroffen und vor allem wertvolle Zeit und Energie verschwendet.

Wir fangen an Ziele zu erreichen, ohne gründlich darüber nachgedacht zu haben, ob es wirklich das ist, was wir wollen. Ein Beispiel: Einige in meinem Bekanntenkreis begannen nach der HTL zu studieren. Sie entschieden sich für eine Richtung die für sie einen Sinn im Hinblick auf spätere Jobsicherheit bot. Wenn ich sie jedoch frage, weshalb sie das studieren, antworten sie, dass sie dadurch später einmal sicher einen Job bekommen. Was, wo und weshalb ist nicht wichtig.

Und das mag auch funktionieren, das streite ich nicht ab. Genauso wenig ist das eine Kritik an Studenten. Aber zeitgleich bemerke ich, dass zwar der Weg in Richtung Ziel gegangen wird obwohl der Grund dafür komplett unklar ist.

Und oft kommt es auch vor, dass diese Bekannten im Laufe ihres Studiums komplett umdisponieren, weil sie zwischenzeitlich bemerkt haben, dass es doch nicht das Richtige für sie ist. Man hätte sich also einiges an Zeit sparen können.

Kongruenz = Den inneren Kompass kalibrieren

Wenn ich acht Stunden Zeit hätte um einen Baum zu fällen, würde ich sechs Stunden die Axt schärfen. – (Abraham Lincoln, der 16. US-amerikanische Präsident, 1809 – 1865)

Viele nehmen sich nicht die Zeit oder vergessen in der Hektik des Alltags ihre Axt zu schärfen, weil wir so in Eile sind den Baum zu fällen.

Und bevor man sich versieht arbeitet jeder mit dem falschen Werkzeug, ungenügender Schärfe oder werkelt gleich am falschen Baum.

Bevor du herausfindest, was dich wirklich antreibt und deine Begeisterung entfacht, musst du bestimmen, wie du deine Entscheidungen triffst!

Diesen Rahmen ist dein Kompass und deine Karte, die dich dabei unterstützt den richtigen Weg einzuschlagen. Ansonsten ist es wie im Dschungel. Du kommst zwar voran, aber das Ziel ist nicht wirklich das, wo du hinwolltest.

Menschen, die in der Lage sind, ihre Entscheidungen in kompletter Übereinstimmung mit sich selbst treffen, sind kongruent.

Wenn du kongruent bist, dann passiert etwas Erstaunliches:

  • Dein Selbstvertrauen steigt ins Unermessliche
  • Deine Energie und dein Bestreben etwas für dich bedeutendes zu tun steigt extrem
  • Du fühlst dich ausgeglichen, da du dein Leben mit einem Zweck verbindest
  • Entscheidungen sind viel leichter zu treffen
  • Die Dinge entwickeln sich für dich zum Positiven
  • Du hast tatsächlich eine reelle Chance dein Leben mit Begeisterung und Berufung zu leben

Oder wie es Rambo formuliert:

Lebe für etwas oder stirb für nichts (oder schneide eben den falschen Baum um).

Der eigene Kompass, die Kongruenz, lässt sich grob in vier wesentliche Aspekte unterteilen:

  1. Deine Werte
  2. Deine einzigartigen Stärken
  3. Deine Definition von Erfolg
  4. Deine Erfahrungen

Ohne diese Komponenten wären wir nirgends. Sie bestimmen und werden immer bestimmen wer wir sind und was wir sein werden. Im Laufe der nächsten Wochen gehe ich vereinzelt auf die jeweiligen Aspekte ein und zeige Wege auf, wie du für dich deinen eigenen Wegweiser und Kompass aufbaust.

Diese Arbeit kann dir niemand abnehmen.

Keiner kann dir sagen wie es für deinen Fall passt. Dieses Engagement und die Bereitschaft an dir zu arbeiten setze ich voraus um wirklich Resultate zu sehen.

Wie hast du bisher deine Entscheidungen getroffen?  Hast du deine Karte eingenordet oder dreht sich die Nadel deines Wegweisers im Kreis?